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5.2.26

Schloss Heidelberg

Spiegelverkehrt, aber unverkennbar

Sebastian Münsters Holzschnitt zeigt Schloss und Stadt Heidelberg vor 500 Jahren

(ssg) Die Neckarbrücke, die Heiliggeistkirche und das Schloss hoch über der Stadt – alles auf einem jahrhundertealten Bild: Der Holzschnitt des Humanisten Sebastian Münster von 1526 feiert in diesem Jahr sein 500. Jubiläum. Die Ansicht der Stadt war Teil seines „Calendarium Hebraicum“, das im darauffolgenden Jahr publiziert wurde. Es galt lange Zeit als älteste Ansicht Heidelbergs.

Sebatian Münster: Ansicht der Stadt und des Schlosses Heidelberg. Ansicht von Schloss und Stadt vom Philosophenweg aus.Sebatian Münster: Ansicht der Stadt und des Schlosses Heidelberg. Wikimedia Commons.

Ansicht von Schloss und Stadt vom Philosophenweg aus.
Foto: kulturer.be

Ein unverkennbares Stadtbild
Jede Heidelbergerin und jeder Heidelberger erkennt schnell, welche Stadt auf dem Bild zu sehen ist – obwohl die Grafik 500 Jahre alt ist und die Jahrhunderte nicht spurlos an der Stadt vorbeigegangen sind. Die Brücke über den Neckar und die Tortürme sind markant und lassen bereits die heutige Alte Brücke erahnen. Klar auszumachen sind außerdem zwei Wahrzeichen: die Heiliggeistkirche und natürlich Schloss Heidelberg, das stolz über der Stadt thront. An der Residenz der Kurfürsten finden Baumaßnahmen statt. Der Dicke Turm mit seiner bis zu sieben Meter festen Mauer wird gerade errichtet, ein Kran befördert Baumaterial in die Höhe. Ein Blick in den Fluss bestätigt schließlich die Vermutung. Dort steht das Wort „Heidlberg“ geschrieben.

Heidelberg im Jahr 1526
Für etwas Irritation sorgen allerdings zwei Punkte: Zum Ersten ist die Stadt spiegelverkehrt – was jedoch auf die Technik des Holzschnitts zurückzuführen ist. Zum Zweiten ist über dem im Bau befindlichen Schloss noch ein weiteres, höhergelegenes Gebäude zu sehen. Dabei handelt es sich um die „Obere Burg“, die sich auf Höhe der Molkenkur befand. Heute sind von dieser ersten Burg und Pfalzgräflichen Residenz nur noch wenige Spuren erhalten. Ein Blitz entzündete 1537 das dort gelagerte Pulver und zerstörte die Höhenburg. Lange Zeit galt die Darstellung als die erste Ansicht Heidelbergs. Sie ist in Sebastian Münsters „Calendarium Hebraicum“ zu finden. Das Werk wurde 1527 publiziert und bietet eine Sammlung jüdischer Texte zur Zeitrechnung. Der Holzschnitt selbst ist jedoch etwas älter, er entstand vermutlich 1526 – vor genau 500 Jahren.

Zwischen Orden, Universität und Reformation
Der Urheber des Holzschnitts ist der Humanist Sebastian Münster. 1488 wurde er in Ingelheim am Rhein geboren. Der Sohn des Kirchenpflegers und Spitalmeisters trat 1505 in Heidelberg dem Franziskanerorden bei. Schnell erkannte man sein Talent für Sprachen. Seine Studien vertiefte und erweiterte er über die Jahre. Dabei lernte er auch Städte wie Freiburg im Breisgau und Tübingen kennen. 1518 lehrte Sebastian Münster an der Ordenshochschule in Basel, bevor ihn sein Weg drei Jahre später nach Heidelberg führte. 1524 bekleidete er dort die Professur für Hebräisch an der Universität. Fünf Jahre später trat er aus seinem Orden aus und ging nach Basel an die dortige Hochschule, wo er 1547 Rektor wurde. In der Schweizer Stadt konvertierte er vom Katholizismus zum Protestantismus und heiratete 1530 Anna Selber, mit der er eine Familie gründete. 1552 später verstarb Sebastian Münster. Bekannt ist der Gelehrte heute vor allem noch für seine ‚Cosmographia‘, seine Weltbeschreibung. Das Werk präsentiert in sechs Büchern die Länder Europas, Asiens und Afrikas.

Neben Mainz und Köln gelegen
Eine ältere Darstellung Heidelbergs als die von Sebastian Münster ist erst seit dem Jahr 2000 bekannt. Sie ist jedoch sehr allgemein gehalten. In einer Ausgabe der Goldenen Bulle für Kaiser Karl IV. aus dem Jahr 1485 – das Dokument bestimmte das Verfahren zur Wahl des römisch-deutschen Königs – ist Heidelberg neben Mainz und Köln zu sehen und wirkt nur einen Steinwurf entfernt. Sebastian Münsters Darstellung von Heidelberg ist dagegen deutlich konkreter.

Klimawandel in historischen Gärten
Aktionstag der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlösserverwaltungen
Samstag, 27. September 2025, 11.00 bis 17.15 Uhr

Programm
Bäume im Klimawandel
11.20 und 13.20 Uhr, Führung mit Hanna Nimmenich, Arboristin der Staatlichen Schlösser und Gärten

Der Weg des Wassers durch den Schlossgarten
11.40 und 13.40 Uhr, Führung mit Dominik Kühn, Parkleiter der Staatlichen Schlösser und Gärten

Vögel und Amphibien im Klimawandel
12.00 und 14.00 Uhr, Führung mit dem NABU Heidelberg

Wie verändert der Klimawandel unsere Art der Nachpflanzungen?
12.20 und 14.20 Uhr, Führung mit Dr. Karin Seeber, Gartenkonservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten

Podiumsdiskussion im Ottheinrichsbau
16.00 Uhr, Teilnehmende:
- Staatssekretärin Gisela Splett, Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg
- Prof. Alexander Siegmund, PH Heidelberg
- Dr. Meike Kirscht, Referatsleiterin Historische Gärten der SSG
- Moderation: Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten

Eine Anmeldung zur Podiumsdiskussion ist erforderlich unter veranstaltung@ssg.bwl.de.

Informationsstände
11.00 bis circa 17.00 Uhr
NABU Heidelberg
Bezirksimker zum Thema Wespen
Schlossgärtnerin Katja Bischoff zum Thema nachhaltiges Gärtnern
Rallye für Kinder (Kreuzworträtsel, Suchspiel und Rätselfragen zum Klimawandel)

Der Treffpunkt für die Führungen ist an der Großen Grotte. Dort sind auch die Informationsstände zu finden.

Die Teilnahme an den Angeboten des Aktionstags sind kostenfrei

    im Detail:  
Icon obenPexels, Ksenia Chernaya   siehe auch:  
     

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