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4.8.26

Museum Europäischer Kulturen Berlin

Schwerer Stoff.
Frauen – Trachten – Lebensgeschichten

(musek) Wörtlich und im übertragenen Sinne zeigt das Museum Europäischer Kulturen Schweren Stoff: 20 Kleiderensembles, die zu den wertvollsten Objekten aus der Textilsammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums gehören.

Ausstellungsansicht „Schwerer Stoff“ mit drei TrachtenpuppenAusstellungsansicht „Schwerer Stoff“
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug

Plissierte Röcke und Verzierungen, Kunstseide und Samt, poppige Farben auf goldenem Grund neben tiefschwarzer Brautkleidung: Donauschwäbische Frauen- und Mädchenkleidung von 1880 bis 1990 gibt überraschende Einblicke in die einstigen Lebenswelten von Frauen und Mädchen. Diese Welt war eng, weil von dörflichen und kirchlichen Regeln bestimmt, aber auch weit, weil sie die Vielfalt einer multikulturellen Gesellschaft bot.

Die Kuratorin der Ausstellung Henrike Hampe (Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm) erläutert: „Die Kleidungsensembles bestehen aus bis zu 15 Einzelteilen. Von ihnen
trennten sich ihre Besitzerinnen trotz bewegter Lebensläufe nicht. So verdeutlichen sie die enge Beziehung zwischen Menschen und ihren Kleidern – vom Arbeitsgewand bis zur Brautausstattung, von der Mädchentracht bis zum Totenkleid. Jede der ausgestellten Trachten erzählt etwas über individuelle, weibliche Lebensgeschichten und gibt gleichzeitig Auskunft über die Geschichte der Donauschwäb*innen in Wandel der Zeit.“

Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen Tradition und Moderne, Ideologie und Realität, einstigem und heutigem textilen Upcycling. Sie vermittelt Einblicke in das Leben von Donauschwäb*innen, den Nachkommen deutschsprachiger Auswanderer, die sich vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen. Dort lebten sie als eine ethnische Gruppe unter vielen.

Das Erstarken nationalistischer Tendenzen in der Region und schließlich der Nationalsozialismus zerstörten diese multiethnischen Gemeinschaften. Ob aktive Befürworter*innen, stille Mitläufer*innen oder Unwillige – am Ende des Zweiten Weltkriegs waren alle Donauschwäb*innen von Repressalien und oftmals Vertreibung betroffen. Die Kleider, Fotografien und Gegenstände, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, sind persönliche Zeugnisse dieser bewegten Leben – schwerer Stoff. Sie laden die Besucher*innen ein, in europäische Geschichte(n) über Ankommen, Existenz, Abgrenzung und Integration, Ver- und Entwurzelung einzutauchen.

Die Ausstellung ist am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm entwickelt worden. Nach Station am Ethnografischen Museum Budapest wird sie nun mit Unterstützung der am Museum Europäischer Kulturen angesiedelten Stelle „Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa“ in Berlin gezeigt.

Zahlreiche Vermittlungsangebote und Großveranstaltungen ergänzen die Ausstellung.
Jeden 2. Sonntag im Monat von 14 – 16 Uhr findet eine Offene Werkstatt für Familien statt.
Am Sonntag, 8. November 2026, findet zum 20. Mal der Textiltag in Kooperation mit dem Fachverband ...textil.. e.V. und dem Verein der Freunde des Museums Europäischer Kulturen statt. Zwischen 11 – 17 Uhr können die Besucher*innen vielfältige Techniken mit verschiedenen Materialien erlernen und sich in der Ausstellung Schwerer Stoff inspirieren lassen – z.B. bei öffentlichen Führungen um 12 Uhr und 14 Uhr.

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger (deutsch/englisch) Katalog erschienen: „Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten“, herausgegeben vom Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm mit Beiträgen von Henrike Hampe, 156 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, ISBN 978-3-00-079622-7, 19,80 Euro

    im Detail:  
Icon obenPexels, Ksenia Chernaya   siehe auch:  
     

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