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6.8.26

Museum und Park Kalkriese

Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos

Neue Sonderausstellung mit herausragenden Funden im Museum und Park Kalkriese

(mpkr) Mit der Sonderausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“ zeigt das Varusschlacht-Museum noch bis 7. November 2026 eine komplett neu kuratierte Schau mit mehr als 1.200 hochkarätigen Objekten von zwei außergewöhnlichen Fundplätzen: dem Thorsberger und dem Nydamer Moor. 

Blick in den größten Ausstellungsraum mit zwei Bodenvitrinen zu den Fundplätzen Thorsberg und Nydam.Das Schwert aus dem Nydamer Moor beeindruckt Besucherinnen und Besucher.Blick in den größten Ausstellungsraum mit zwei Bodenvitrinen zu den Fundplätzen Thorsberg und Nydam.

Das Schwert aus dem Nydamer Moor beeindruckt Besucherinnen und Besucher.

© Varusschlacht im Osnabrücker Land, Manfred Pollert.

Die Ausstellung vereint zwei der größten archäologischen Konvolute zu den Germanen. Durch ihren außergewöhnlichen Facettenreichtum eröffnet sie vielfältige Einblicke in die Lebensweisen der Germanen. Zu sehen sind Waffen, wie Lanzenspitzen, Speere, Schwerter, Schilde, aber auch eine Reihe von Alltagsgegenständen, die zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert von den Germanen in Seen versenkt wurden. Das Besondere an den Fundorten Thorsberg und Nydam liegt in der einzigartigen Verbindung von Kult- und Opferplätzen, außergewöhnlich gut erhaltenen Funden und bemerkenswerten Entdeckungen. Dadurch wird ein seltener und unmittelbarer Einblick in die germanische Welt der römischen Kaiserzeit möglich.

Die Fundplätze Thorsberg und Nydam zählen zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas und stellen die Forschung bis heute vor Rätsel. „Wir zeigen Objekte von herausragender Qualität: Die berühmte Thorsberger Maske, aufwändig gestaltete Zierscheiben, ausgesprochen gut erhaltene Waffen wie Pfeil und Bogen, Schwerter und Schilde und sogar Textilien – alles Originalfunde“, freut sich Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer Varusschlacht im Osnabrücker Land. „Mit neuen Vermittlungs- und Präsentationsansätzen ist es uns gelungen, das Fundensemble aus dem Archäologischen Museum Schloss Gottorf aus völlig neuen Blickwinkeln zu erschließen.“, so Burmeister weiter. 

Die Ausstellung möchte die Besuchenden mit auf eine Reise durch die Zeit nehmen. In jedem Themenraum öffnet ein eigener Schwerpunkt neue Perspektiven. Jeder Raum rückt jeweils andere Aspekte in den Fokus: die Entdeckung vor 150 Jahren, die Erforschung der Fundplätze, die Erkenntnisse aus den Forschungen, ein Reflexionsansatz sowie der Exkurs zum Fundplatz Kalkriese. 

Mitte des 19. Jahrhunderts erforschte der dänische Altertumsforscher Conrad Engelhardt die Fundplätze im Thorsberger und Nydamer Moor. Dort entdeckte er zahlreiche Waffen und Ausrüstungsteile. Er erkannte früh, dass die im Moor entdeckten Objekte nicht zufällig dorthin gelangt waren. Er war der Überzeugung, dass diese bewusst zerstört und niedergelegt wurden. Weshalb wertvolle Objekte auf diese Weise entsorgt wurden, blieb für ihn jedoch ein Rätsel. 150 Jahre nach Conrad Engelhardt versuchten vier Forschende des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig (heute Leibniz-Zentrum für Archäologie, LEIZA, Standort Schleswig) mit modernen Methoden und frischem Blick, den Funden weitere Geheimnisse zu entlocken. 

Die Ausstellung richtet den Blick auch auf das Schlachtfeld in Kalkriese. Hier stellt sich das Kuratoren-Team die Frage: Was geschah nach der Schlacht mit den Waffen und Ausrüstungsgegenständen der besiegten Legionäre? Bislang hielt sich die These, dass die Germanen nach der Schlacht geplündert haben. Doch auch an vielen Kalkrieser Funden finden sich Zeichen der Zerstörung, Objekte fehlen und Überreste sind stark verstreut. Ein vergleichender Blick mit den Fundplätzen Thorsberg und Nydam lädt zum Nachdenken ein. 

Im Raum der Erkenntnis zeigt sich die Masse an Funden, die in Nydam und Thorsberg ans Tageslicht gekommen sind. Gleich zu Beginn stechen zwei Originalfunde heraus: Eine germanische Reiterhose und eine germanische Tunika (Hemd) – mehr als 1500 Jahre haben sich die Kleidungsstücke erhalten. In den großen Inselvitrinen finden sich hunderte Exponate: Schwerter, Schildbuckel, Lanzenspitzen, Feuersteine, Äxte, Pfeile, Schnallen und vieles mehr. Allein 104 kg Metall kommen hier zusammen. Und es zeigt sich, wie die Erhaltungsbedingungen das Fundvorkommen beeinflussen. So finden sich in Thorsberg Buntmetalle, aber kein Eisen. In Nydam hingegen kommen Holz- und Eisenobjekte vor. Beeindruckend ist auch ein Blick in die Vitrine mit Pfeil und Bogen. Auch die zwei großen Holzschilde und die unterschiedlichen Schwertgriffe sind herausragend. Doch nicht nur Heeresausrüstung wurde in den Seen versenkt. Persönliche Dinge, wie Armreifen und Fingerringe, machen den Krieger als Mensch greifbar. „Hier wird der germanische Krieger fassbar, sein Leben und auch Sterben – durch die unzähligen Objekte ergibt sich ein Bild.“, so Dr. Stefan Burmeister. An allen Objekten finden sich Spuren der Zerstörung: systematisch und rituell. 

Die Sonderausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“ wird gefördert von der Stiftung Niedersachsen, der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung der Sparkasse Osnabrück und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Als Sponsor aus der Region konnten INTECON – Treuhand und Wirtschaftsberatung und als Sachsponsor Tapetenfabrik Gebr. Rasch gewonnen werden. Die Moorfunde gehören zur Sammlung des Museums für Archäologie Schloss Gottorf, Landesmuseen Schleswig-Holstein. Für diese Ausstellung hat das Museum mit der Münster School of Design (Fachhochschule Münster), Studiengang Design und der Hochschule Osnabrück, Studiengang Media & Interaction Design kooperiert. Die Studierenden haben in enger Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsteam ausgewählte Stationen entwickelt und gestaltet. Die Ausstellung wurde von Dr. Stefan Burmeister, Teresa Kopp, Christiane Matz und Ingo Petri kuratiert. Im Juni erscheint überdies ein Sonderheft des Fachmagazin Archäologie in Deutschland zur Ausstellung.

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Angeboten für Kinder begleitet die Ausstellung. Weitere Informationen unter www.verlorene-krieger.de. 

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